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Man könnte noch einige andere Fragen hinzufügen, aber eines steht fest. Die Gelehrten unserer Zeit sind in vielen Punkten sehr unterschiedlicher Ansicht. Heute werden viele dieser unterschiedlichen Ansichten als Lehren verkündigt. Gott hat ja seiner Gemeinde die Lehrer gegeben, wie es in 1.Kor.12, 28 heißt. Jeder Lehrer ist laut Jakobus 3,1 vor Gott persönlich verantwortlich für die Dinge, die er lehrt, und für die Auswirkungen dieser Lehren auf die Kinder Gottes, die seine Zuhörer sind. Er sollte stets seine Aufgabe darin sehen, die schriftlich niedergelegten Lehren der Apostel und Propheten aus der heiligen Schrift verständlich und geistlich auszulegen.
Viele ganz normale Christen standen und stehen dabei mitunter in der Gefahr, ihren persönlichen Glauben zu sehr an den Lehren großer Männer der nachapostolischen Zeit festzumachen. Die Aussagen selbst des größten Lehrers müssen letztlich an der heiligen Schrift gemessen werden. Gerade auf dem Gebiet der Prophetie besteht dabei die Gefahr weit reichender Irrtümer.
Viele prophetische Auslegungen haben sich in der Vergangenheit oder Gegenwart als krasse Fehler herausgestellt und sind von den Realitäten schon längst eingeholt worden. Man hätte sich bei manchen Auslegungen doch mehr Demut und Vorsicht gewünscht.
Bei anderen Autoren könnte man den Eindruck gewinnen, dass sie zwar etwas veröffentlichen wollten, aber in den Hauptlinien ihrer Gedanken letztlich doch nur andere Autoren kopiert haben, ohne sich dies selbst einzugestehen. So kommt es, dass man in vielen prophetischen Auslegungen bis heute letztlich immer wieder die gleichen Dinge in unterschiedlichem stilistischem Gewand zu lesen bekommt. Es besteht zunehmend der Eindruck, dass die stets gleichen Erkenntnisse in unterschiedlicher Kombination wiederholt und durch teils unwesentliche Einzelheiten immer mehr verkompliziert werden.
Daniel hat jedoch geschrieben, dass die Erkenntnis zunehmen werde. Das würde geschehen durch Studium der Schriften und durch die wachsame Beobachtung der Zeichen der Zeit. Vielleicht befindet sich die Auslegung in einer Sackgasse, ohne es bemerkt zu haben. Man muss als ehrlicher Christ mit einer solchen Möglichkeit immer rechnen! Vielleicht haben die Christen in Überbetonung des ersten Teiles der Danielstelle ihr Augenmerk zu einseitig auf das Studium der Schrift gelenkt. Vielleicht haben wir den Blick für die Zeichen der Zeit verloren, sodass wir gar nicht mehr wahrnehmen, was um uns herum eigentlich Tag für Tag vor sich geht. Die Zeit der Ratlosigkeit der Nationen (Lukas 21,25) beim Brausen der Wasserwogen, heute auch Tsunamis genannt, sollte eben gerade nicht die Zeit der Ratlosigkeit der Gemeinde Christi sein, sondern die Zeit der Hoffnung.
Der Herr sagt uns in Johannes 17, dass wir zwar nicht mehr von der Welt sind, aber trotzdem noch mitten in der Welt. Er sagt uns ebenfalls, dass wir als Jünger nicht nur einfältig wie die Tauben sein sollten, sondern manchmal auch klug wie die Schlangen (Mt.10,16). Paulus weist uns in 2.Kor.2,11 darauf hin, dass uns die Gedanken Satans nicht unbekannt sind. Das bedeutet für das Studium der prophetischen Schriften, dass die Kenntnis des Wortes immer mit einer aufmerksamen Beobachtung der Zeitzeichen einhergehen muss, wenn man Erkenntnis erwerben möchte.
Der zweite Grundpfeiler der Erkenntnis ist das demütige Gebet zu dem Herrn Jesus Christus, ohne welches es überhaupt keine Erkenntnis geben wird. Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade (1.Petr.5,5). Das gilt auch und gerade für die Prophetie, denn Erkenntnis in falscher Hand bläht auf. Nur Erkenntnis mit Liebe erbaut (1,.Kor.8,1 und 13,2+4).
Wer in dieser Grundhaltung an die Prophetie herangehen möchte, der wird bald erfahren, dass jede Zeitperiode ihre eigenen Fragen stellen muss. Diese Fragen entstehen ja gerade aus der aufmerksamen Beobachtung der Dinge um uns herum. Die entsprechenden Antworten sollten dann unter Zuhilfenahme der in sich irrtumslosen und hundertprozentig vertrauenswürdigen Aussagen der Bibel gesucht werden.
Vielleicht krankt unser prophetischer Blickwinkel daran, dass wir ständig die alten Fragen stellen und es nicht wagen, die um uns herum entstehende Weltrealität ausreichend in unsere Überlegungen einzubeziehen, um zu neuen Fragen zu kommen. Wir brauchen Wissen, Glauben und Schriftkenntnis, um dann unter Gebet zu biblisch begründeter Erkenntnis zu gelangen. Was machen wir mit dieser Erkenntnis? Die Prophetie ist kein biblischer Denksport, sondern sie sollte uns ins Gebet für die noch nicht erretteten Menschen dieser Welt treiben, für die immer weniger Zeit zur Umkehr verbleibt. Sie sollte uns auch dazu anregen, in unserem persönlichen Umfeld Zeugnis zu geben, sei es durch Wort oder Tat.
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